Muslime und Christen


Bezirkssynode Pforzheim Land
Badische Landessynode möge Gesprächspapier „Muslime und Christen“
nicht verabschieden - Delegierte und Kirchengemeinden empfinden vorgelegtes Papier als nicht hilfreich.

Die Bezirkssynode des Kirchenbezirks Pforzheim-Land bittet die badische Landessynode, das Gesprächspapier „Muslime und Christen – Gesprächspapier zu einer theologischen Wegbestimmung der Evangelischen Landeskirche in Baden“ nicht zu verabschieden. Dafür haben sich die 43 Delegierten des Kirchenbezirks Pforzheim-Land bei ihrer Frühjahrssynode in Ellmendingen mit großer Mehrheit ausgesprochen.
Nach Ansicht des Kirchenkreises und vieler Kirchengemeinden ist das Papier nicht hilfreich. Es werfe mehr Fragen auf, als es beantworte.

Der Islamwissenschaftler Carsten Polanz erläuterte auf der Bezirkssynode in Ellmendingen die Kritikpunkte an dem Gesprächspapier „Muslime und Christen“ der badischen Landeskirche.
Fundamental unterschiedliche Vorstellungen von Gott
Wie der Islamwissenschaftler Carsten Polanz (Bonn) als Gutachter sagte, vertrete das Papier einen problematischen Toleranzbegriff, demzufolge es keine absolute Wahrheit gebe. Dabei gelte es aber, so Polanz, widersprüchliche Glaubensvorstellungen stehen zu lassen und nicht zu versuchen, die fundamentalen

Unterschiede im Gottesbild der Christen und Muslime zu relativieren. „Für ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen bedarf es zumindest aus christlicher Perspektive keiner theologischen Harmonisierung.“
Es genüge der Glaube an die Gottebenbildlichkeit aller Menschen, um die anderen mit ihrer religiösen Überzeugung zu respektieren. Für einen fruchtbaren Dialog mit Muslimen müssten daher nicht alle theologischen Unterschiede ausgeglichen werden.
Polanz kritisierte ferner, dass in dem Papier grundsätzlich nicht klar sei, welche Ausprägung des Islam als Gegenüber des Christentums dargestellt werde. Das Gesprächspapier beschreibe an vielen Stellen eher ein Wunschbild vom Islam.
Welcher Islam ist gemeint?
Laut dem Islamwissenschaftler unterscheiden sich christlicher und muslimischer Glaube fundamental. Das werde deutlich, wenn man „Begriffsschalen“ knacke und Inhalte benenne. So glauben Christen, dass Gott sich in Jesus Christus offenbart hat. Gott ist so, wie er in Jesus Christus begegnet und nicht anders. Das könnten Muslime nicht nachvollziehen.
EEbenso blende die Handreichung real existierende Probleme, wie zum Beispiel die Situation von Konvertiten, die Religionsfreiheit und die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in islamischen Ländern aus.

Dekan: Ablehnung des Gesprächspapiers bedeutet keine Absage an den Dialog
Dekan Christoph Glimpel begrüßte den Beschluss der Synode und die vorausgegangenen Diskussionen in den Kirchengemeinden: „Es ging nicht um die Frage, ob wir Dialog wollen oder nicht. Die Ablehnung der Bezirkssynode bezieht sich auf das Gesprächspapier.“

Die konstruktive Kritik von Polanz könne er „voll und ganz unterschreiben“. Eine Neufassung des Gesprächspapieres müsse den formulierten Kriterien des Islamwissenschaftlers genügen.
„Dialog ist nicht möglich auf der Grundlage ungeklärter Begriffe und unter Aufgabe zentraler eigener Glaubensüberzeugungen.“

Zum Kirchenbezirk Pforzheim-Land gehören 16 Kirchengemeinden, die im Halbrund um Pforzheim liegen – beginnend im Südwesten mit Langenalb über Bauschlott im Norden bis nach Öschelbronn im Osten. Ihm gehören rund 31.400 Kirchenmitglieder an.
Claudius Schillinger